Geschichte

Geschichte der Gemeinde

Etwa 150 Jahre nach der Reformation in Baden-Durlach  im Jahr 1556 durch Markgraf Karl, um 1700, feierten die wenigen Katholiken in Durlach wieder katholische Gottesdienste. 1811 wurde eine kleine katholische Gemeinde in Durlach gegründet. Für ihre Gottesdienste hatte ihr die  großherzogliche Regierung die Schlosskapelle der Karlsburg überlassen.

Vorgeschichte des Kirchenneubaus

Bereits in den 60er Jahren war die Schlosskapelle zu klein geworden und zudem in einem miserablen baulichen Zustand. Die katholische Gemeinde war durch den Zuzug von Soldaten der Durlacher Garnison, durch Beamte und Hausbedienstete und vor allem, nach der Reichsgründung von 1871, durch die im Zuge des industriellen Aufschwungs nach Durlach gekommenen Industriearbeiter erheblich gewachsen. So war ein Kirchenneubau dringend notwendig geworden. Um das Geld dafür aufzutreiben gründete man 1882 einen Kirchenbauverein. 1888 konnte am südwestlichen Stadtrand Durlachs ein Bauplatz erworben werden. Die Stadtkelter die dort noch stand wurde abgerissen.

Planungs- und Baugeschichte

Durch schier unüberwindliche Finanzierungsprobleme verzögerte sich der Baubeginn immer mehr. Auf Initiative von Erzbischof Johann Christian Roos wurde der neue Vorstand des Freiburger Erbischöflichen Bauamtes, Max Meckel, beauftragt Pläne zu erstellen. Anfang 1895 legte dieser erste Bauskizzen vor und es begann eine leidvolle und langwierige Planungsphase. Die überzogenen Ansprüche der Gemeinde standen im krassen Gegensatz zu ihren finanziellen Möglichkeiten. Das erzbischöfliche Kapitelsvikariat tadelte die unrealistischen Wünsche der Pfarrgemeinde. Diese wollte jedoch nicht von ihren Vorstellungen nach repräsentativer Ausgestaltung wie Frontturm, Querschiff und Gewölbe abrücken  und bestand z. B. mit folgenden Worten auf einem Glockenturm, der aus Kostengründen eingespart werden sollte: „Solange eine katholische Gemeinde hier (wieder) existiert muss sie eines eigenen Geläutes entbehren, jedes Zeichens entraten, das auch nach außen hin bekundet, dass hier ein katholisches Gotteshaus, eine Wohnung des eucharistischen Heilands (besteht). Der Turm sollte gerade der edelste und schönste Schmuck nach außen darstellen“.

Vier Entwürfe und unzählige Varianten, vor allem bezüglich des Turmes, wurden vom Architekten erarbeitet bis endlich der örtliche Stiftungsrat gegenüber den Weisungen des Erzbischöflichen Kapitels-Vikariates nicht mehr zu widersprechen wagte. Eine unabdingbare Bedingung aus Freiburg war die Erweiterbarkeit der Kirche. Deshalb wurde der Turm seitlich angeordnet. Die Gemeinde bestand darauf, dass man um die Kirche herumgehen können muss. In der Vergangenheit hatte sie leidvolle Erfahrungen machen müssen, weil die Fronleichnamsprozession nur auf eigenem Grundstück genehmigt worden war.

Nach unendlichem Hin und Her wurde der Bau im Jahr 1898 als dreischiffige Basilika mit Flachdecke im Mittelschiff, gewölbten Seitenschiffen und Chorflankenturm mit dem charakteristischen Helm genehmigt. Am 24. September 1900 weihte Weihbischof Friedrich Justus Knecht die Kirche.

Vorbilder für den Kirchenneubau

Meckel orientierte sich in Durlach an der mittelalterlichen Baukunst der Bettelorden. Franziskaner und Dominikaner entwickelten im 13. Jahrhundert eine asketische Architektur die den hochgotischen Raum der Kathedralen und ihre Architekturglieder radikal vereinfachte. So stellte die Architektur der Bettelorden im 19. Jahrhundert eine Möglichkeit dar mit wenig Mitteln gotisch zu bauen. Die Gotik galt zu der Zeit sowohl als der nationale deutsche als auch der christliche Baustil. Statt eines repräsentativen Eingangsgiebels erhielt die Durlacher Kirche einen simplen Walm, der Eingang eine einfache Überdachung, das Maßwerk der Fenster wurde auf Pfosten reduziert, auf Strebepfeiler an den Hochschiffwänden und jeglichen Schmuck wurde verzichtet. Ganz im Gegensatz zu den einfachen Architekturformen außen und innen steht die üppige Ausgestaltung  des Turmes mit den vier Flankentürmchen und den Wasserspeiern. Dies ist sicher auf die Minderheitensituation der Durlacher Katholiken und ihr Streben nach Emanzipation zurückzuführen.

Instandhaltungsgeschichte

Eine erste Renovierung der Kirche wurde 1938 durchgeführt. Dabei stellte man den Kreuzweg des Karlsruher Bildhauers Emil Sutor auf. Schon 20 Jahre später, 1958, war die nächste Instandsetzung notwendig. 1982 wurde das Langhaus farbig gefasst und der Altarraum umgestaltet, einige Jahre später die Fenster instandgesetzt.  1999 fand zum zweiten Mall eine vollständige Renovierung des Kirchenäußeren statt. Darin war auch der Turm miteinbezogen. Für den war es allerdings schon die vierte Renovierung.


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Zusammengestellt: G. Sicheneder

Quellen zu Ausstattung und Geschichte:

  • Dr. Werner Wulf-Holzäpfel: Der Architekt Max Meckel (1847 – 1910), Studien zur Architektur und zum Kirchenbau des Historismus in Deutschland
  • Dr. Werner Wulf-Holzäpfel; Der Bau der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Durlach und der Architekt Max Meckel, Vortrag anlässlich der Ausstellung „Protestanten und Katholiken“ am 04. Oktober 2000 zur Hundertjahrfeier der Kirche St. Peter und Paul in Durlach
  • Peter Nicola: Durlach, Katholische Stadtkirche St Peter und Paul, Schnell Kunstführer Nr. 330
  • Dr. Heinz Schmitt: Die katholische Kirche in Durlach. In: Protestanten und Katholiken – Die Durlacher Stadtkirchen